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Interner Auditor werden: Kompetenz, Schulung, erster Audit

Wie Sie interner Auditor werden: welche Kompetenz ISO 19011 beschreibt, was eine Schulung leisten sollte und wie der erste eigene Audit gelingt.

Redaktion Audit-Net · 22.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Schulung mit vielen Teilnehmenden in einem Seminarraum

Interner Auditor werden Sie, indem Sie Auditmethodik und Normkenntnis erwerben, Unparteilichkeit sicherstellen und die Kompetenz belegbar machen. Ein bestimmtes Zertifikat schreibt die ISO 9001 dafür nicht vor; sie verlangt, dass die Organisation Auditoren so auswählt, dass Objektivität und Unparteilichkeit gewahrt bleiben. Orientierung für Kenntnisse und Bewertung gibt die Leitlinie ISO 19011, die im Mai 2026 in vierter Ausgabe erschienen ist. Dieser Ratgeber zeigt den Weg von der Rolle bis zum ersten Auditbericht.

Stand: Oktober 2026

Was ein interner Auditor tatsächlich tut

Ein interner Auditor prüft im Auftrag der eigenen Organisation, ob das Managementsystem die Normanforderungen, die eigenen Regeln und die gesetzten Ziele erfüllt und ob es wirksam umgesetzt wird. Er sammelt dafür Nachweise durch Gespräche, Beobachtung und Dokumentenprüfung und bewertet sie gegen festgelegte Auditkriterien. Er berät nicht im Sinne von „Ich mache es für Sie“, sondern berichtet, was er gesehen hat.

Der Alltag besteht zu großen Teilen aus Vorbereitung und Nachbereitung: Auditplan lesen, Fragen vorbereiten, Stichproben wählen, Feststellungen formulieren und die Wirksamkeit beschlossener Maßnahmen später nachprüfen. Das eigentliche Auditgespräch ist nur der sichtbare Teil. Je sorgfältiger die Vorbereitung, desto kürzer und ruhiger verläuft es, und desto weniger müssen Sie spontan improvisieren. Einen Überblick über die Einordnung im größeren Zusammenhang gibt die Themenseite Internes Audit.

Welche Voraussetzungen die Norm verlangt

Die ISO 9001 fordert für interne Audits ein Auditprogramm, definierte Kriterien und Auditumfänge sowie Auditoren, die objektiv und unparteilich auftreten. Daraus folgt eine einfache Regel: Niemand auditiert die eigene Arbeit. Wer die Einkaufsprozesse verantwortet, prüft nicht den Einkauf, sondern etwa die Produktion oder die Verwaltung.

Eine Mindestausbildung nennt die Norm nicht. Sie verlangt allgemein, dass Personen, die Einfluss auf die Leistung des Systems haben, kompetent sind und die Organisation das nachweisen kann. Ob Sie ein Schulungszertifikat, eine Hospitation bei erfahrenen Kollegen oder beides nutzen, entscheiden Sie selbst. Zertifizierungsstellen fragen im Audit allerdings nach dem Nachweis, und ein dokumentierter Qualifikationsweg beantwortet diese Frage zuverlässig.

Persönliche Eignung zählt dabei mehr, als viele erwarten. Gute Auditorinnen und Auditoren hören zu, bleiben freundlich und beharrlich und können Sachverhalte ohne Schuldzuweisung ansprechen. Diese Eigenschaften lassen sich üben, sollten aber vor der Benennung beobachtet werden.

Welche Kompetenz ISO 19011 beschreibt

Die ISO 19011 gibt Leitlinien für das Auditieren von Managementsystemen und enthält einen Rahmen für die Kompetenz von Auditoren, einschließlich Kriterien für Bewertung und Weiterentwicklung. Sie ist eine Leitlinie und keine Anforderungsnorm; nach ihr kann sich niemand zertifizieren lassen. Die aktuelle Ausgabe von 2026 ersetzt die von 2018 und ist laut CQI/IRCA eine technische Überarbeitung mit mehr Hinweisen zu Fernaudits und digitalen Werkzeugen.

Praktisch lässt sich die Kompetenz in drei Bereiche gliedern: persönliche Eigenschaften wie Neutralität und Gesprächsführung, Auditwissen wie Planung und Nachweisbewertung sowie fachliches Wissen über Norm, Branche und Prozesse. Die Tabelle weiter unten ordnet jedem Bereich einen möglichen Nachweis zu.

Der Weg zur Qualifikation in vier Schritten

  1. Normgrundlagen: Lesen Sie die Anforderungen der Norm, für die Sie auditieren, zum Beispiel ISO 9001, und verstehen Sie die Prozesse Ihrer eigenen Organisation.
  2. Methodik lernen: Besuchen Sie eine Schulung zu Auditplanung, Fragetechnik und Berichtswesen oder arbeiten Sie die ISO 19011 durch. Stellen, die Personen zertifizieren, finden Sie im Verzeichnis unter Stellen.
  3. Begleitetes Audit: Gehen Sie zunächst als zweiter Auditor mit. Beobachten Sie, wie Feststellungen entstehen und wie Rückmeldungen im Abschlussgespräch formuliert werden.
  4. Eigenes Audit mit Rückmeldung: Führen Sie ein kleines Audit selbst durch und lassen Sie es vom Leiter des Auditprogramms nachbesprechen.

Kosten für Schulungen unterscheiden sich je nach Anbieter und Dauer stark. Verbindliche Preisangaben sollten Sie direkt bei den Anbietern einholen; hier nennen wir keine Spannen, weil wir keine belastbare Quelle dafür ausgewertet haben.

Der erste eigene Audit: Ablauf und Stolperstellen

Beginnen Sie mit einem überschaubaren Umfang, etwa einem einzelnen Prozess in einer Abteilung. Planen Sie Zeit für Eröffnungsgespräch, Prozessbegehung, Nachweisprüfung und Abschlussgespräch ein. Stellen Sie offene Fragen („Zeigen Sie mir, wie…“), statt Ja/Nein-Fragen, und halten Sie jede Feststellung mit Fundstelle fest, damit sie später überprüfbar ist.

Typische Stolperstellen sind Checklisten, die abgehakt statt verstanden werden, Feststellungen ohne Bezug zu einem Kriterium und Wertungen wie „schlampig“. Formulieren Sie sachlich: Kriterium, beobachteter Sachverhalt, Nachweis. Wie ein Bericht aufgebaut wird, zeigt der Ratgeber Auditbericht schreiben; die Einordnung von Abweichungen erklärt Abweichungen im Audit.

Ein weiterer Praxisfehler ist die Eile im Gespräch. Wer Antworten sofort durch eigene Vorschläge ergänzt, verliert Informationen. Lassen Sie Pausen zu: Oft ergänzt die auditierte Person von selbst, was im ersten Satz fehlte. Notieren Sie außerdem, was gut funktioniert. Positive Feststellungen machen das Audit für die Beteiligten glaubwürdiger und zeigen der Leitung, welche Praktiken sich auf andere Bereiche übertragen lassen.

Rolle neben dem Tagesgeschäft

Die meisten internen Auditoren führen diese Aufgabe neben einer Hauptfunktion aus. Das funktioniert, wenn die Leitung Zeit freigibt, die Audits im Jahresprogramm verteilt sind und die Rolle nicht zur Dauerbelastung einer Person wird. Ein Pool von mehreren Auditoren verhindert zudem, dass immer dieselben Prozesse von denselben Augen geprüft werden.

Wer die Rolle langfristig ausbauen möchte, kann sich zum Prozess-, Lieferanten- oder Systemauditor weiterentwickeln. Passende Ausschreibungen finden sich unter Stellen im Verzeichnis der Anbieter; Hinweise zum Qualitätsmanagement als Berufsfeld bietet die Seite Qualitätsmanagement.

Sinnvoll ist außerdem ein fester Austausch unter den Auditoren, etwa einmal im Jahr. Dort werden unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe abgeglichen, damit eine vergleichbare Feststellung in zwei Abteilungen nicht zu zwei verschiedenen Ergebnissen führt. Dieser Abgleich ist zugleich ein günstiger Weg, die eigene Kompetenz weiterzuentwickeln, und lässt sich als Fortbildung dokumentieren.

Übersicht in der Tabelle

Kompetenzbereich Beispiel Möglicher Nachweis
Persönliche Eigenschaften Unparteilichkeit, Gesprächsführung, Standhaftigkeit Beobachtetes Audit, Rückmeldung des Auditleiters
Auditwissen Planung, Stichprobe, Nachweisbewertung, Berichtswesen Schulungsbescheinigung, Auditberichte
Normkenntnis Anforderungen der geprüften Norm Schulung, Wissenstest, Praxisnachweis
Fach- und Prozesswissen Abläufe der auditierten Bereiche Berufserfahrung, Einarbeitungsnachweis
Weiterentwicklung Änderungen der ISO 19011 und der Norm Fortbildungsliste, Auditorentreffen

Checkliste

  • Auditprogramm und Auditkriterien der eigenen Organisation lesen
  • Unparteilichkeit klären: keine Prüfung der eigenen Arbeit
  • Norm und Prozesse der Organisation durcharbeiten
  • Schulung oder Selbststudium zu Auditmethodik dokumentieren
  • Als zweiter Auditor an einem Audit teilnehmen
  • Fragenkatalog als Gedankenstütze, nicht als Skript vorbereiten
  • Feststellungen mit Kriterium, Sachverhalt und Nachweis notieren
  • Eigenes Audit nachbesprechen lassen und Lernpunkte festhalten
  • Qualifikationsnachweis in der Personalakte oder im QM-Archiv ablegen

Häufige Fragen

Brauche ich ein Zertifikat, um intern zu auditieren?

Die ISO 9001 schreibt kein bestimmtes Zertifikat vor. Sie verlangt Kompetenz, Objektivität und Unparteilichkeit. Ein Schulungszertifikat ist ein gängiger Nachweis, aber nicht der einzige.

Darf ich meinen eigenen Bereich auditieren?

Nein. Die Norm verlangt Objektivität und Unparteilichkeit, deshalb prüft niemand die eigene Arbeit. In kleinen Firmen hilft ein externer Auditor oder der Tausch mit einer Partnerorganisation.

Kann man nach ISO 19011 zertifiziert werden?

Nein. Die ISO 19011 ist eine Leitlinie für das Auditieren, keine Anforderungsnorm. Zertifizierungen von Personen erfolgen nach anderen Programmen.

Wie viele Audits braucht es bis zur Routine?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Üblich ist der Weg über ein begleitetes Audit zum ersten eigenen Audit mit Nachbesprechung; danach wächst die Sicherheit mit jedem Prozess, den Sie prüfen.

Was ändert sich durch die ISO 19011:2026?

Laut CQI/IRCA ist es eine technische Überarbeitung mit mehr Hinweisen zu Fernaudits, digitalen Werkzeugen, Auditprogramm, Kommunikation und Kompetenz. Eine Übergangsfrist gibt es nicht.

Quellen

Über diesen Ratgeber

Recherchiert und geschrieben von der Redaktion Audit-Net, mit Quellen belegt. Normtexte geben wir nicht wieder; die Normen selbst erhalten Sie über den Normenhandel. Fehler gefunden? Schreiben Sie uns.

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