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Akkreditierung oder Zertifizierung: der Unterschied

Zertifizierungsstellen bewerten Ihr Unternehmen, die DAkkS bewertet die Zertifizierungsstelle. Rollen, Normen und Praxisbeispiele im Vergleich.

Redaktion Audit-Net · 22.10.2026 · 6 Min. Lesezeit

Laborantin mit Haube und Maske hält Pipetten

Eine Zertifizierung bestätigt, dass ein Managementsystem, ein Produkt oder eine Person bestimmte Anforderungen erfüllt. Eine Akkreditierung bestätigt, dass die Stelle, die diese Bestätigung ausstellt, dafür kompetent, unparteiisch und verlässlich arbeitet. Zertifiziert wird also Ihr Unternehmen, akkreditiert wird der Prüfer. In Deutschland übernimmt die Akkreditierung hoheitlich die DAkkS. Dieser Ratgeber zeigt, wie beide Stufen zusammenhängen und woran Sie in der Praxis erkennen, ob ein Zertifikat auf einer belastbaren Grundlage steht.

Wer prüft wen? Die zwei Ebenen im Überblick

Stellen Sie sich eine Kette mit drei Gliedern vor. Am Anfang steht eine Anforderung, zum Beispiel eine Norm wie die ISO 9001 oder eine gesetzliche Vorgabe. Darunter liegt die Konformitätsbewertung: Eine Stelle prüft, inspiziert, kalibriert oder zertifiziert und stellt fest, ob ein Gegenstand, ein Verfahren oder eine Person die Anforderung erfüllt. Darüber liegt die Akkreditierung: Eine nationale Akkreditierungsstelle bestätigt, dass die bewertende Stelle ihre Tätigkeit sachgerecht ausführen darf.

Die DAkkS definiert Akkreditierung nach der Verordnung (EG) Nr. 765/2008 als Bestätigung durch eine nationale Akkreditierungsstelle, dass eine Konformitätsbewertungsstelle bestimmte Anforderungen erfüllt und eine bestimmte Bewertungstätigkeit ausführen darf. Man sagt verkürzt: Die Akkreditierungsstelle prüft die Prüfer. Die Zertifizierungsstelle prüft Sie.

Wichtig ist die Reihenfolge. Sie bewerben sich nie um eine Akkreditierung, wenn Sie als Unternehmen ein ISO-Zertifikat möchten. Sie beauftragen eine Zertifizierungsstelle und achten darauf, ob diese selbst akkreditiert ist. Nur Stellen, die selbst Prüfer, Labore oder Zertifizierer sind, stellen einen Akkreditierungsantrag.

Was eine Zertifizierung leistet

Bei einer Zertifizierung bewertet eine Zertifizierungsstelle, ob ein Gegenstand oder eine Person konform ist. Der Gegenstand kann ein Managementsystem sein, etwa nach ISO 9001 für Qualität oder ISO 27001 für Informationssicherheit, ein Produkt oder eine Dienstleistung. Bei Personenzertifizierungen steht die Kompetenz einer Fachkraft im Mittelpunkt.

Für Managementsysteme läuft der Ablauf meist in Stufen: Dokumentenprüfung, Prüfung vor Ort, Entscheidung über das Zertifikat und anschließend regelmäßige Überwachungsaudits. Die Details finden Sie auf der Themenseite zur Zertifizierung. Das Zertifikat gilt für den beschriebenen Geltungsbereich, also für bestimmte Standorte, Prozesse oder Produkte, und nicht pauschal für das ganze Unternehmen.

Eine Zertifizierung ist grundsätzlich ein Marktinstrument. Kunden, Ausschreibungen oder Lieferketten verlangen sie, weil sie einen unabhängigen Nachweis ersetzt, den sie sonst selbst erbringen müssten, etwa durch eigene Lieferantenaudits.

Was eine Akkreditierung bestätigt

Die DAkkS prüft bei einer Stelle die Unabhängigkeit und die fachliche Kompetenz: Personal, Qualitätsmanagementsystem, Ausstattung und Methoden. Der Ablauf umfasst Antragstellung, Begutachtung, Akkreditierungsentscheidung und laufende Überwachung. Eine Akkreditierung ist hoheitlich, das heißt, sie ist dem Staat vorbehalten, und in Deutschland handelt die DAkkS dafür im staatlichen Auftrag.

Gültigkeit und Zyklus: Die DAkkS erteilt hoheitliche Akkreditierungen in der Regel unbefristet. Sie bleiben bestehen, bis sie widerrufen, ausgesetzt, eingeschränkt oder geändert werden. Der Akkreditierungszyklus von der Erstentscheidung bis zur Entscheidung über die Wiederholungsbegutachtung dauert höchstens fünf Jahre, dazwischen finden Überwachungsbegutachtungen statt.

Der Nutzen reicht über Deutschland hinaus. Nach Angaben der DAkkS sind ihre Akkreditierungen über internationale Abkommen anerkannt. Das erleichtert den Marktzugang im Export, weil Prüfberichte und Zertifikate akkreditierter Stellen auch im Ausland akzeptiert werden können.

Die Normen hinter den Stellentypen

Jeder Stellentyp hat eine eigene Norm, nach der die DAkkS ihn begutachtet. Das ist der schnellste Weg, um beide Begriffe sauber zu trennen: Sie lesen die Norm nicht, um Ihr eigenes System zu bauen, sondern um zu sehen, was von der Stelle verlangt wird, die Sie beauftragen.

Die Tabelle weiter unten ordnet die wichtigsten Typen zu. Prüf- und Kalibrierlabore werden nach DIN EN ISO/IEC 17025 begutachtet, medizinische Labore nach DIN EN ISO 15189, Inspektionsstellen nach DIN EN ISO/IEC 17020 und Zertifizierungsstellen für Managementsysteme nach DIN EN ISO/IEC 17021-1. Für Produkt- und Personenzertifizierer gelten die Normen ISO/IEC 17065 und ISO/IEC 17024. Insgesamt unterscheidet die DAkkS zehn akkreditierbare Stellentypen.

Eine Kalibrierung ist dafür ein gutes Beispiel: Ein Kalibrierschein hat nur dann belastbares Gewicht, wenn das Labor seine Messfähigkeit nach der Laufnorm nachgewiesen hat und akkreditiert ist.

Zwei Beispiele aus der Praxis

Beispiel 1, ISO 9001 für einen Mittelständler. Ein Maschinenbauer möchte sein Qualitätsmanagement zertifizieren lassen. Er holt Angebote von Zertifizierungsstellen ein. Fragt er, ob die Stelle für den Geltungsbereich seiner Branche akkreditiert ist, prüft er die zweite Ebene. Das Zertifikat selbst trägt dann den Namen der Zertifizierungsstelle, die Akkreditierung der Stelle steht im DAkkS-Register. Wie Sie dabei vorgehen, beschreibt der Ratgeber zur Auswahl einer Zertifizierungsstelle.

Beispiel 2, Messmittel in der Fertigung. Ein Betrieb lässt seine Messschieber extern kalibrieren und verlangt einen Kalibrierschein. Hier ist das Labor die Konformitätsbewertungsstelle. Seine Akkreditierung erkennen Sie auf dem Schein an der Referenz auf die Akkreditierung und am bescheinigten Messbereich. Eine Zertifizierung des Betriebs ist dafür nicht nötig.

Beide Beispiele zeigen: Das akkreditierte Label hängt an der Stelle, nicht an Ihrem Produkt. Ihr Produkt trägt am Ende das Ergebnis der Stelle.

Woran Sie eine akkreditierte Stelle erkennen

Verlassen Sie sich nicht auf ein Logo allein. Prüfen Sie drei Dinge. Erstens: Steht die Stelle mit dem passenden Geltungsbereich in einem öffentlichen Register? Die Akkreditierung gilt immer nur für bestimmte Tätigkeiten, Normen und Branchen. Zweitens: Passt der Stellentyp zu Ihrem Vorhaben, etwa Zertifizierungsstelle für Managementsysteme statt Prüflabor? Drittens: Ist die Akkreditierung aktuell, also nicht eingeschränkt oder ausgesetzt?

Unser Verzeichnis akkreditierter Stellen bildet die öffentlich einsehbaren Angaben aus dem DAkkS-Register ab und lässt sich nach Ort, Art und Norm durchsuchen. Die Detailseiten zu den einzelnen Arten finden Sie unter Akkreditierung.

Wann der Unterschied für Sie wichtig wird

In vielen Branchen genügt ein Zertifikat einer nicht akkreditierten Stelle formal ebenfalls, rechtlich verlangt die ISO 9001 keine Akkreditierung der Stelle. Trotzdem schreiben Auftraggeber, Behörden oder Förderprogramme häufig eine akkreditierte Stelle vor, weil sie sich auf die gleichbleibende Qualität der Begutachtung verlassen wollen. Lesen Sie deshalb die Anforderung Ihres Auftraggebers im Wortlaut.

In regulierten Bereichen wie Gesundheit, Umwelt, Sicherheitstechnik oder Lebensmittelsicherheit schreibt der Gesetzgeber oft zusätzlich eine Akkreditierung vor. Dann braucht eine Stelle nach den Angaben der DAkkS neben der Akkreditierung auch eine Befugnis der zuständigen Behörde. Die Akkreditierung belegt die fachliche Eignung, die Befugnis erlaubt die Tätigkeit rechtlich.

Stand: Oktober 2026.

Übersicht in der Tabelle

Merkmal Zertifizierung Akkreditierung
Wer bewertet? Zertifizierungsstelle Nationale Akkreditierungsstelle (in Deutschland die DAkkS)
Was wird bewertet? Managementsystem, Produkt, Dienstleistung oder Person Die Konformitätsbewertungsstelle selbst: Unabhängigkeit, Kompetenz, Methoden
Wer beantragt? Unternehmen oder Person, die einen Nachweis braucht Labor, Inspektions- oder Zertifizierungsstelle
Maßstab Z. B. ISO 9001, ISO 27001 oder ein Produktstandard Stellennorm, z. B. 17025, 17020, 17021-1, 15189
Ergebnis Zertifikat mit Geltungsbereich Akkreditierung mit festgelegtem Geltungsbereich
Rechtscharakter Privatrechtlicher Auftrag am Markt Hoheitlich, Rechtsgrundlage VO (EG) Nr. 765/2008

Checkliste

  • Klären Sie, ob Ihr Auftraggeber eine akkreditierte Zertifizierungsstelle verlangt.
  • Notieren Sie Norm und Geltungsbereich, die Sie zertifizieren lassen möchten.
  • Suchen Sie die Stelle im öffentlichen Register oder im Stellenverzeichnis.
  • Vergleichen Sie den akkreditierten Geltungsbereich mit Ihrer Branche und Tätigkeit.
  • Prüfen Sie, ob die Akkreditierung aktuell und nicht eingeschränkt oder ausgesetzt ist.
  • Lassen Sie sich Angebote von mindestens zwei Stellen geben.
  • Bei Kalibrierung oder Prüfung: Verlangen Sie Schein oder Bericht mit Verweis auf die Akkreditierung.
  • Bewahren Sie Zertifikat und Auditberichte als Nachweis auf.

Häufige Fragen

Ist ein ISO-Zertifikat dasselbe wie eine Akkreditierung?

Nein. Ein ISO-Zertifikat bestätigt, dass Ihr System die Norm erfüllt. Die Akkreditierung bestätigt, dass die Zertifizierungsstelle kompetent arbeitet. Unternehmen werden zertifiziert, Stellen werden akkreditiert.

Kann sich ein Unternehmen akkreditieren lassen?

Nur wenn es selbst als Konformitätsbewertungsstelle arbeitet, also etwa als Labor, Inspektionsstelle oder Zertifizierer. Ein Produktionsbetrieb lässt sich zertifizieren, nicht akkreditieren.

Wer akkreditiert in Deutschland?

Die Deutsche Akkreditierungsstelle DAkkS. Sie handelt hoheitlich auf Grundlage der Verordnung (EG) Nr. 765/2008 und des Akkreditierungsstellengesetzes.

Wie lange gilt eine Akkreditierung?

Hoheitliche Akkreditierungen werden nach Angaben der DAkkS in der Regel unbefristet erteilt. Der Zyklus mit Überwachung und Wiederholungsbegutachtung beträgt höchstens fünf Jahre. Befristete Akkreditierungen müssen rechtzeitig erneuert werden.

Ist ein Zertifikat ohne akkreditierte Stelle wertlos?

Nicht automatisch, aber seine Anerkennung ist schwächer. Prüfen Sie, ob Ihr Kunde, Ihre Ausschreibung oder Ihr Förderprogramm eine akkreditierte Stelle ausdrücklich verlangt.

Quellen

Über diesen Ratgeber

Recherchiert und geschrieben von der Redaktion Audit-Net, mit Quellen belegt. Normtexte geben wir nicht wieder; die Normen selbst erhalten Sie über den Normenhandel. Fehler gefunden? Schreiben Sie uns.

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